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Houbigant: Ein Revolutionär in der Welt der Düfte

Eines Morgens, im Jahr 1775, eröffnete der damals 23-jährige Jean-Francois Houbigant in der Pariser Rue Faubourg St. Honoré ein neues Geschäft für Parfums, Brautgestecke und Handschuhe. Und damit die anfangs noch leeren Räume nicht so trostlos wirkten, hängte er neben die Tür noch ein gemaltes Schild mit einem Blumenkorb, weswegen die Bewohner der Straße bald anfingen, den kleinen Laden „A la Corbeille de Fleurs“ zu nennen. Hätte jemand Jean-Francois Houbigant oder einem seiner Zeitgenossen eröffnet, dass er soeben das traditionsreichste Parfumhaus Europas gegründet hatte – er wäre wohl für verrückt erklärt worden.

Wie sehr die Manufaktur Houbigant mit ihren Parfums Geschichte schrieb, offenbart sich schnell, wenn man sich mit den einzelnen Düften des Hauses vertraut macht.

Berühmte Houbigant-Perfums

Fougère Royale: Dieser Duft gilt als eine Legende, denn er gestaltete maßgebend die Parfümerie wie sie heute en vogue ist. Der Herrenduft Fougère Royale, 1884 komponiert, war das erste Parfum einer Duftlinie, die zu den weltweit erfolgreichsten gehört, und zu der auch Azzaro, Prada by Prada for Men, Brut by Fabergé oder Boss by Hugo Boss gehören. Ausschlaggebend für den Erfolg des Fougère-Duftes war die Tatsache, dass es dem Houbigant Parfumeur Paul Parquet als Erstem gelang, einzelne Elemente aus den Rohstoffen zu isolieren und dadurch Fantasie-Düfte weiter  zu entwickeln. Bei Fougère Royal wurde Cumarin, ein Ingredienz der Tonkabohne, künstlich produziert.

Bei der Weltpremiere Fougère Royals, auf deutsch „Königlicher Farn“, wurde diese Neuheit aber noch verschwiegen, damit niemand auf die Idee kommen konnte, die Qualität in Frage zu stellen. In den späten 60er Jahren wurde die Produktion dieses Odeurs aber eingestellt.

Le Parfum Idéal: Dieser Damenduft wurde ebenfalls von Paul Parquet komponiert. Einige Exemplare dieses erlesenen Parfums gibt es noch und die Flakons gelten als begehrte Sammlerstücke, für die auf Auktionen hohe Preise erzielt werden.

Quelques Fleurs: Dieses Kleinod stammt von dem zweiten genialen Parfumeur Houbigants, Robert Bienaimé, und ist einer der größten Parfumklassiker aller Zeiten. Fachleute nennen das Odeur in einem Atemzug mit Chanel-No.5, Van Cleef & Arpels-First oder Dior-Eau-Savage. 1912 erschien das Kunstwerk das erste Mal auf dem Markt und wurde seitdem unzählige Male verkauft. Die Rezeptur ist streng geheim, bekannt ist nur, dass für das Parfum über 250 Ingredienzien verwendet werden. Um eine Unze, 31 Gramm, Quelques Fleurs Eau de Perfume zu produzieren, werden über 15 000 Blüten benötigt

Chantilly: Der Duft erschien 1941 das erste Mal in den Geschäften und gehört ebenfalls zu den großen Namen der Houbigant-Linie. Es ist eine Komposition aus Bergamotte, Neroli und Zitrone als Kopfnoten. Herznoten sind Rosen, Orangenblüten, Jasmin und die Gartennelke. Als Basisnoten wurde Eichenmoos, Moschus, Sandelholz, Benzoe, Tonkabohne und Vanille verwendet. Marcel Billot komponierte den Damenduft.

Raffinée ist im Vergleich zu den anderen Parfums relativ jung. 1982 hatte es seine Weltpremiere. Orangen, Limonen, Jasmin und Bergamotte, aber auch Orchideen, Hyazinthen und Sandelholz prägen das orientalische Aroma dieses Odeurs

Duc de Vervins ist eine Weiterentwicklung von Fougére Royale aus dem Jahr 1985. Das Parfum wird bis heute produziert und basiert auf Kümmel, Lavendel, Rosmarin, Muskat und Rosengeranie.

Demi-jour duftet nach Veilchen, Bergamotte, Iriswurzel, Jasmin und Sandelholz. Der 1987 erschienene Duft gilt als einer der elegantesten in der Welt der Damendüfte.

Quelques Fleurs Royale Eau de Parfume wurde 2004 als eine Hommage an den bereits vor zahlreichen Jahren entworfenen Duft „Quelques Fleurs“ entwickelt und duftet nach Rose, Tuberose, Jasmin und Bienenwachs. Die Flakons für dieses Parfumkleinod wurden in limitierter Edition und von Hand konzipiert.

Weitere berühmte Riechwasser dieser Luxusmarke sind „La Rose France“, „Violette Pourpre (1907), „Coeur de Jeannette“ (1912),“Parfum inconnu“, „Floraision“, „Celle que mon coeur aime“, „Farandole“, „Lutèce“, „Iris des Champs“, „Orangers en fleurs“ oder „Duc de Vervins L'Extreme“ (1984).

Wissenswertes

Die limitierten Porzellan-Flakons des französischen Hauses werden in einem aufwändigen Prozess hergestellt. Das von Hand geformte Fläschchen wird bei über 1000 Grad gebrannt und anschließend für einige Tage ruhig verwahrt. Danach wird jedes Exemplar einzeln in ein Emaille-Bad getaucht und erneut im Ofen gebrannt. Dieses Mal bei 1400 Grad für 27 Stunden. Im Anschluss ruht der Flakon wieder einige Tage, bevor das Kleinod den letzten Schliff bekommt.